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Jodtabletten zur Vorsorge?

Seit dem Reaktorunfall in Japan steigt die Nachfrage nach Jodtabletten sprunghaft an: Viele Menschen sind alarmiert und verunsichert. Sie möchten jetzt etwas zum vorbeugenden Schutz der eigenen Gesundheit bei radioaktiver Strahlung unternehmen. Das können wir gut verstehen. Wir raten jedoch ausdrücklich davon ab, Jodtabletten spontan einzunehmen.

Gefährliche Vorsorge: Jod - Tabletten niemals unüberlegt einnehmen!

Gefährliche Vorsorge: Jod - Tabletten niemals unüberlegt einnehmen!

Nach dem Atomunfall in Japan besteht hierzulande offiziell keine Gefahr für die Gesundheit: Eine vorsorgliche Einnahme von Jodtabletten (Kaliumiodid) ist nicht nötig. Und ohne trifftigen Grund keinesfalls zu empfehlen: Eine Einnahme von hochkonzentriertem Kaliumiodid kann sogar schädlich sein.

Was ist Kaliumiodid?

Kaliumiodid ist ein chemisch aus Kalilauge und Jod gewonnenes Salz. In der Medizin wird es unter anderem zur Behandlung von Jodmangel und bestimmtem Schilddrüsen- erkrankungen eingesetzt. Kaliumiodid ist ein apothekenpflichtiges Arzneimittel.

Wie wirken Jodtabletten?

Jod ist ein lebenswichtiger Baustein, den die Schilddrüse braucht, um Hormone herstellen zu können. Seit der flächendeckenden Verbreitung von Jodsalz gilt Deutschland nicht mehr als Jodmangelgebiet.

Bei einem schweren Unfall in einem Atomkraftwerk wird unter Umständen radioaktives Jod freigesetzt. Tabletten mit hochdosiertem Kaliumiodid können in diesem Fall verhindern, dass sich mit dem Einatmen radioaktives Jod in der Schilddrüse anreichert. Das eingenommene Iodid bildet eine so genannte Jodblockade. Radioaktives Jod in der Schilddrüse kann langfristig durch Strahlung zu Krebs führen. Vor allem bei Kindern und Jugendlichen reagiert die Schilddrüse sehr empfindlich auf radioaktives Jod.

Die bei einer Bedrohung der Bevölkerung mit radioaktivem Jod eingesetzten Jodtabletten sind 650fach höher dosiert als handelsübliche Kaliumiodid-Präparate. Mit dem Lebensalter – ab 45 Jahren etwa – reagiert die Schilddrüse immer weniger auf radioaktives Jod, das Risiko von Schilddrüsenkrebs nimmt in diesem Fall ab. Dagegen können unerwünschte Nebenwirkungen wie zum Beispiel Stoffwechselstörungen zunehmen!

Welche Nebenwirkungen gibt es?

Bei der Einnahme von hochdosierten Kaliumiodid-Tabletten wird die Schilddrüse mit Jod überschwemmt. Eine solche Dosis hat starke unerwünschte Wirkungen („Iodismus“).

Die Entstehung schwerer Schilddrüsenerkrankungen mit Herzrhythmusstörungen, Atembeschwerden und Schäden an den Augen kann ausgelöst werden.
Auch für Patienten, die bereits an Erkrankungen der Schilddrüse leiden, zum Beispiel Morbus Basedow, kann ein Zuviel an Jod ernste Nebenwirkungen mit sich bringen. Bei Patienten mit einer Jodallergie können nach der Einnahme hochdosierter Kaliumiodid-Tabletten lebensbedrohliche Beschwerden auftreten. Auf eine spontane Einnahme von Kaliumiodid ohne ärztlichen Rat sollte auf jeden Fall verzichtet werden!

Jodtabletten zur Vorbeugung?

Kaliumiodid-Tabletten eignen sich nicht, um vorbeugend die Schilddrüse für den hierzulande unwahrscheinlichen Fall eines Atomunfalls zu schützen. Sollte es je soweit kommen, teilen die Behörden umgehend hochdosierte Jodtabletten aus. Beruhigend zu wissen: Es werden in Deutschland genügend Jodtabletten bereitgehalten, um alle betroffenen Menschen – besonders Kinder und Jugendliche – gut zu versorgen.
Über medikamentöse Schutzmaßnahmen bei Atomunfällen informiert auch das Bundesministerium für Umwelt unter: http://www.bmu.de/atomenergie_sicherheit/doc/47094.php#3a

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(Quelle/Bilder: Bildquellenangabe: Andrea Damm / pixelio.de; Text: shop-apotheke.com)

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